Theoriefragmente von Thomas Schatz zum Umgang mit berechenbaren und unberechenbaren Aspekten im Gestaltungsprozess.
In der Prozesskompetenz gilt es, Prozesse zu planen, zu steuern und zu optimieren. Es gilt dabei Knowhow wirksam einzusetzen, Orientierung zu gewinnen und mit Learnings zu arbeiten, wie dies in einer positiven Feedbackkultur gepflegt wird – all das ist relativ gut berechenbar und Teil von Prozesskompetenz. Noch besser ist es, auch das Unberechenbare progressiv einzubeziehen, damit zu spielen und daraus Neues entstehen zu lassen – genau darin liegt die eigentliche Stärke ausgeprägter Prozesskompetenz.
Denn Prozesskompetenz zeigt sich im Umgang mit dem eigenen Verhalten: im Agieren, Reagieren und Zulassen – wobei gerade Zufälle essenziell sind. Sie wirkt über verschiedene Bewusstseinsebenen hinweg: bewusst, unterbewusst (intuitiv) und genauso unbewusst – nicht hierarchisch, sondern gleichwertig. Ebenso umfasst sie unterschiedliche Handlungsorientierungen: zweck-, ziel- und prozessorientierte (atelische) Zugänge – nicht als Gegensätze, sondern als parallel verfügbare Arbeitsmodi, zwischen denen situativ in virtuoser Reihenfolge gewechselt werden kann.
Es zeigt sich: Es ist gut, Prozesse bewusst zu planen, zu steuern und zu gestalten sowie Wissen wirksam einzusetzen, Orientierung zu halten und im Austausch zu lernen – das bleibt der berechenbare Aspekt. Es ist jedoch besser, auch das Unberechenbare – Überraschendes, Fremdes und überdies Fehler – gezielt als Ressource zu nutzen, um Neues hervorzubringen. Serendipität muss nicht abgewartet werden, sie lässt sich evozieren. Der schöpferische Prozess dankt dem Unberechenbaren. Dies gilt nicht nur für Ergebnisse, sondern ebenso für das Vorgehen als auch für uns selbst – wenn wir es so wollen.